EDGE: Datenturbo für GSM-Mobilfunknetze

Die Mobilfunktechnologie EDGE (Kurzform für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“ deutsch: Verbesserte Datenraten für die GSM-Entwicklung) ist eine Technologie, mit deren Hilfe man in GSM-Mobilfunknetzen der zweiten Generation die Geschwindigkeit der Datenübertragung erhöht.

EDGE verbessert die beiden Technologien zur Datenübertragung  GPRS und HSCSD. Wird GPRS mit EDGE verbessert, spricht man von E-GPRS, wird HSCDS durch EDGE verbessert, spricht man von ESCD. Umgangssprachlich bezeichnet EDGE in deutschsprachigen Ländern das in den GSM-Netzen eingesetzte E-GPRS. EDGE ist ein Industriestandard, die entsprechenden Normen werden vom 3rd Generation Partnership Project (deutsch: Partnerprojekt 3. Generation, kurz: 3GPP) festgelegt, einem weltweiten Zusammenschluss von Institutionen für die Standardisierung im Mobilfunk.

Die Übertragungsgeschwindigkeit

EDGE ermöglicht es - aufgrund der schnellen Datenübertragung - mobiles Internet in GSM-Netzen zu nutzen. Dabei ist kein Neuaufbau des Netzes nötig sondern das vorhandene GSM-Netz wird durch Austausch einzelner Komponenten schneller gemacht. Während in GSM-Netzen mit der Datenübertragungstechnologie GPRS normalerweise im Schnitt mit 40 Kilobit pro Sekunde Daten heruntergeladen werden, kommt man mit dem Beschleuniger EDGE auf 150 bis 200 Kilobit pro Sekunde. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 470 Kilobit pro Sekunde.

Die Verbreitung

In der Schweiz bot als erstes Mobilfunkunternehmen Swisscom Mobile schon ab März 2005 EDGE flächendeckend an. Mittlerweile bietet auch der Mobilfunkbetreiber Sunrise EDGE an; das auf Firmenkunden spezialisierte Mobilfunkunternehmen In&Phone nutzt das Netz von Sunrise über Roaming.

In Österreich erweiterte der Mobilfunkbetreiber Mobilkom Austria ab Januar 2005 seine GSM-Netze mit der EDGE-Technologie. Mittlerweile bieten alle drei GSM-Mobilfunkbetreiber, also T-Mobile Austria, Mobilkom Austria und Orange Austria EDGE an.

In Deutschland begann T-Mobile im Jahr 2006 sein GSM-Netz mit EDGE aufzurüsten und hält die Technologie seit Frühjahr 2008 flächendeckend in diesem Netz bereit. Vodafone begann im Frühjahr 2007 EDGE in Gebieten anzubieten, in denen es noch kein UMTS-Netz hatte, inzwischen wurde der Ausbau auch auf die UMTS-Gebiete von Vodafone ausgeweitet. Mehr als ein Jahr später begann o2 sein GSM-Netz mit EDGE aufzurüsten. E-Plus erklärte im Dezember 2009, dass man bereits 90 Prozent der deutschen Bevölkerung mit EDGE und moderneren Daten-Übertragungstechniken der dritten Mobilfunkgeneration erreiche. Über die genauen regionalen Flächen des EDGE-Ausbaus bei E-Plus gibt es derzeit keine Informationen.

Anfang 2009 gab es nach Angaben der Global mobile Suppliers Association (GSA), eines Interessensverbandes der Mobilfunkwirtschaft, weltweit  413 EDGE-fähige Mobilfunksysteme in 177 Ländern. Mit EDGE evolved gibt es eine Weiterentwicklung, die theoretisch bis zu 1,2 Megabit pro Sekunde erreichen soll.

Die Perspektiven

Mittlerweile gilt EDGE in GSM-Netzen in entwickelten Industrieländern als Ergänzungstechnologie zu den schnellen UMTS-Netzen der dritten Mobilfunkgeneration. Es kann UMTS ersetzen oder ergänzen wo die Netzabdeckung mit UMTS entweder nicht vorhanden oder unstabil ist. So ist der Zugang zum mobilen Internet auch dort garantiert, wo der Aufbau eines UMTS-Netzes nicht rentabel ist.

In Entwicklungsländern oder Schwellenländern in Asien und Afrika ist EDGE  oft landesweit oder zumindest in größeren Städten verfügbar und bietet damit in vielen Regionen den einzigen praktikablen Zugang zum Internet. Mit EDGE evolved gibt es eine Weiterentwicklung, die bis zu 1,2 Megabit pro Sekunde erreichen soll. Sie könnte in einigen Ländern zumindest zeitweise den kostenintensiven Aufbau von UMTS-Netzen der dritten Mobilfunkgeneration ersetzen.