16.03.2011
Kommentar: Mobiles Internet - Investition in die Zukunft?
Datenfunk gilt als der Gewinnbringer der Zukunft. Doch die Betonung liegt immer noch auf Zukunft und nicht auf Gewinnbringer.
Derzeit dürften die Mobilfunk-Betreiber das viele Geld, das sie in den Netzaufbau investieren kaum hereinholen.
Davon ausgehend kann man eine Prognose wagen: Mobiles Internet mit der neuen LTE-Mobilfunktechnik wird erst einmal sehr viel teurer verkauft werden, als mit dem Vorgänger UMTS samt den Datenbeschleunigungstechniken HSPA und HSPA+. Die Mobilfunkbetreiber werden verstärkt Angebote für die zahlungskräftigste Kundschaft machen: Geschäftsleute und Unternehmen.
Ist der Datenfunk rentabel: Ein paar grundlegende Zahlen
Wer in den Bilanzen der Telekom-Unternehmen Angaben über die Rentabilität des Datenfunks sucht, wird dort nicht fündig: Solche Zahlen veröffentlicht kein Mobilfunkbetreiber. Wenden wir uns also allgemeinen Zahlen zu, welche die Bundesnetzagentur Jahr für Jahr veröffentlicht.
Demzufolge haben die Mobilfunkbetreiber, seit dem Jahr 2000 bislang Jahr für Jahr zwischen 2 und 3,5 Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Netze gesteckt – ein Gutteil dieses Ausbaus dient dem schnellen Datenfunk. Im Jahr 2009 aber hat die Branche mit reinen Datendiensten insgesamt gerade mal 3,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Berücksichtigt man diese jährlichen Kosten für Investitionen in den Netzaufbau, die laufenden Kosten für Netzbetrieb und Unterhalt, für Werbung und Vertrieb ist es schwer vorstellbar, dass die Mobilfunkbetreiber mit dem mobilen Internet derzeit wirklich Gewinne machen.
Gewinner und Verlierer
Es gibt zweifelsohne Unternehmen, die mit dem mobilen Interner Gewinn machen. Ein weiteres Indiz für die These vom Verlustgeschäft mobiles Internet (für die Mobilfunkbetreiber) ist die Kritik der Mobilfunk-Netzbetreiber an diesen offenkundigen Gewinnern und der ebenso offenkundige (und überaus verständliche) Wunsch, hier einiges für sich abzuzweigen.
In den „Geschäftsmodellen der Zukunft“ sollen die Anbieter datenintensiver Inhalte (wie Google oder Apple) an die Netzbetreiber (wie die Telekom) zahlen, so verlangte Telekom-Chef René Obermann im Sommer 2010. „Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig“ sagte Obermann dem Manager Magazin. Auch solche Überlegungen deuten darauf hin, dass die Übertragung von immer mehr Daten die Mobilfunkbetreiber in eine missliche Lage gebracht hat: Sie müssen (immer mehr) Leistung für (immer weniger) Geld abliefern.
Was uns Wachstumsprognosen sagen
Einige Indizien finden sich auch in den von den Unternehmen veröffentlichen Zahlen, wenngleich vieles davon unter dem Stichwort „Wirtschaftslyrik“ abgeheftet werden kann. Die Beispiele, die hier angeführt werden beschreiben ein branchenspezifisches, kein firmenspezifisches Problem – wenn also von der Deutschen Telekom die Rede ist, so steht sie hier für die ganze Branche.
Wenn die Deutsche Telekom ankündigt, sie wolle in dem Bereich mobiler Datenfunk den Umsatz bis 2015 um das Zweieinhalbfache steigern, dann sind prinzipiell zwei Lesarten möglich. Lesart eins ist optimistische Variante: Wir verdienen prima und wenn das erst mal richtig läuft verdienen wir mehr als prima. Lesart zwei ist die pessimistische: Bisher machen wir damit kein Geld, aber wenn wir erst mal zweieinhalb Mal so viel verkaufen, haben wir endlich vorzeigbare Gewinne im Bereich mobiler Datenfunk. Es spricht alles dafür, dass die pessimistische Lesart der Realität näher kommt als die optimistische.
Wege in die Zukunft: Neue Tarife, neue Produkte
Zur Umsatzsteigerung gibt es mehrere Wege: Neue Kunden und/oder höhere Preise und/oder zusätzliche Nebeneinnahmen. Die Zahl der Kunden in Deutschland ist naturgemäß endlich und nicht beliebig vermehrbar. Das gilt auch für die Zahl der Kunden, die mobiles Internet nutzen wollen oder müssen.
Bleiben also höhere Preise und zusätzliche Nebeneinnahmen. Bei der Mobilfunktechnik UMTS hat man die Verbraucher an ständig sinkende Tarife gewöhnt, dieser Trend lässt sich nicht so schnell umkehren. Mit der neuen Mobilfunktechnik LTE, so verkünden die Marketing-Experten und Strategieberater einstimmig, soll das nicht noch mal passieren. Die Preise für superschnelles Internet sollten erst einmal angemessen hoch sein; am besten sollte man sich an Geschäftsleute und Firmenkunden wenden, so der Rat. Ausgehend von LTE wird man womöglich sehr bald in allen Unternehmen Tarife einführen, in denen maximale Surfgeschwindigkeit ein Kriterium für die Höhe des Preises ist. Vodafone hat hier schon den Anfang gemacht, andere werden folgen.
Forcieren wird man auch das Geschäft mit Firmen im sogenannten M2M-Bereich, also dem Informationsaustausch zwischen Maschinen per Mobilfunk. Auf diesen Bereich setzt man derzeit bei Telekom, Vodafone und E-Plus: Angeboten wird nicht nur die reine Datenpipeline, sondern man verkauft hier auch Zusatzdienste.
Neue Tarife und neue Produkte der Mobilfunkbetreiber können den Datenfunk also rentabel machen. Und womöglich findet man dann in zehn Jahren wirklich aussagekräftige Zahlen zur Rentabilität des Datenfunks in den Geschäftsberichten der Mobilfunkbetreiber.
Autor: ET



